Erinnerungen und Emotionen – Unser Besuch der Ausstellung „Und sie waren unsere Nachbarn…“
Am 21.01.2025 besuchten wir mit unserem Geschichtskurs und Herrn Frieling die Ausstellung "Und sie waren unsere Nachbarn..."
Ein Schwerpunkt lag auf den Ereignissen im Ghetto Riga, wo Tausende lettische Jüdinnen und Juden Opfer eines Massenmords wurden. Die Leiterin des Stadtmuseums, Lisa Resing, zeichnete in einem eindringlichen Vortrag darüber hinaus die schleichende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland nach und stellte dazu stets einen Bezug zu den Ereignissen in Bocholt in den Jahren 1933 – 1945 her. Unter den Eindrücken der Ausstellung schrieben zwei Schülerinnen aus dem Kurs ihre Eindrücke und Gefühle nieder:
Schon beim Betreten der Ausstellung spürten wir eine erdrückende Atmosphäre. Fünf Minuten lang mussten wir schweigen – allein mit unseren Gedanken. Doch wirklich still war es nicht. Aus einem Radio dröhnte ununterbrochen Adolf Hitlers Stimme, während ein leiser Herzschlag aus den Lautsprechern pochte. Mal kaum hörbar, dann wieder so intensiv, dass er uns den Atem nahm. Ein kratzig erstickender Kloß bildete sich in unserem immer enger werdenden Hals.
Dann die Bilder. Die Gegenstände. Kinderpuppen, Koffer, Erinnerungsstücke wirkten so real, dass wir das Gefühl hatten, mitten in der Vergangenheit zu stehen. Es war nicht einfach Geschichte, es war unsere Stadt. 26 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden von hier deportiert. Aus Bocholt. Straßen, an denen wir jeden Tag vorbeigehen, waren ihr Zuhause. Menschen, die lebten, liebten, lachten – unsere Nachbarn. Und plötzlich war ihre Existenz ausgelöscht. Von 6 Millionen Opfern waren es „nur“ 26 aus unserer Stadt, doch gerade das machte es real. Sie waren nicht anonym. Wir wissen, wo sie gewohnt haben. Und genau das lässt uns nicht los.
Zwischen Wut, Trauer und Angst
Mit jedem Schritt durch die Ausstellung wurde das Gefühl schwerer. Eine Mischung aus Wut, Trauer und Verantwortung gegenüber den Opfern überkam uns. Wir tragen
keine direkte Verantwortung für das, was damals geschah, aber die Frage, wie Menschen so etwas zulassen konnten, ließ uns nicht los. Es geht nicht um Zahlen. Es geht um Leben. Familien. Träume. Menschen, die hier waren und nicht mehr sind. Doch am schlimmsten ist die Angst, dass sich Geschichte wiederholen könnte.
Warum diese Ausstellung heute so wichtig ist:
Heute sehen wir wieder, wie sich die Gesellschaft spaltet. Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung nehmen zu, extreme Meinungen gewinnen an Einfluss. Worte, die lange undenkbar schienen, werden wieder laut. Menschen werden gegeneinander ausgespielt. Und das macht uns Angst. Diese Ausstellung hat uns verändert. Sie hat gezeigt, dass Geschichte nicht fern ist, dass es jeden treffen kann. Deshalb dürfen wir nicht schweigen. Wir müssen erinnern, sprechen, Verantwortung übernehmen für Solidarität, Menschlichkeit und Vielfalt.
Denn genau das bedeutet „Zachor – Erinnere dich!“.“
Zeynep & Mahya
(Geschichtskurs EF)
