Studienfahrt des Q1 Jahrgangs der Gesamtschule Bocholt nach Krakau und Auschwitz
Nach einer langen Nachtfahrt begann das Programm mit einer Führung durch das ehemalige jüdische Viertel von Krakau. Dort wurde deutlich, dass jüdisches Leben einst selbstverständlich zur Stadt gehörte, bevor es systematisch zerstört wurde. Schon am ersten Tag zeigte sich, warum solche Fahrten wichtig sind: Geschichte lässt sich nicht nur im Unterricht behandeln, sie muss vor Ort erfahren werden.
Der Besuch im Stammlager Auschwitz I am zweiten Tag war für viele ein stiller, intensiver Moment. Hinter Glas lagen abgeschnittene Haare, Berge von Schuhen, Koffer mit Namen, Kindersachen und Fotografien. Es sind die Gegenstände, die geblieben sind, während die Menschen ermordet wurden. In den Baracken wurde spürbar, dass es sich nicht nur um einen historischen Ort handelt, sondern um einen Ort des unermesslichen Leidens.
Erschütternd war vor allem die Erkenntnis, wie systematisch Menschen entrechtet und entmenschlicht wurden. Ihr Wert wurde auf ihre Arbeitskraft reduziert. Wer als nicht mehr „nützlich“ galt, wurde getötet. Sekunden entschieden bei den sogenannten Selektionen über Leben und Tod. Ein Schüler sagte: „Es ist schlimmer, als ich es mir vorgestellt habe.“ Eine Mitschülerin ergänzte, sie sei etwa so alt wie viele der Jugendlichen gewesen, die damals deportiert wurden. Gerade das mache alles noch realer.
Am 11. Februar besuchte die Q1 das Vernichtungslager Auschwitz II-Birkenau. Die Gleise, die direkt ins Lager führen, die scheinbar endlosen Baracken und die Ruinen der Gaskammern und Krematorien verdeutlichten die Dimension des Grauens. Über eine Million Menschen wurden hier ermordet. Die Anlage wirkte wie eine eigene Stadt, errichtet mit dem alleinigen Ziel, Menschen systematisch zu töten. Neben Trauer war bei vielen auch Wut spürbar. Wut darüber, dass Massenmord organisiert und bürokratisch geplant wurde. Wut darüber, dass Menschen allein wegen ihrer Religion, Herkunft oder Kultur verfolgt wurden. Zugleich wurde deutlich, dass Geschichte nicht fern und abstrakt ist. Sie wurde von Menschen gemacht und genau deshalb beginnt Verantwortung in der Gegenwart.
Trotz allem erzählten die Guides auch von Momenten des Mutes. Gefangene schmuggelten heimlich Schuhe, Kleidung oder Brot und riskierten damit ihr eigenes Leben. Selbst kleine Gesten wurden zu Zeichen von Menschlichkeit in einem unmenschlichen System.
Ermöglicht wurde die Studienfahrt durch Fördermittel, insbesondere durch die Sanddorf-Stiftung und die Axel-Springer-Stiftung. Zurück bleibt mehr als historisches Wissen über Zahlen und Daten. Zurück bleibt eine tiefe Erschütterung und die Frage, wo Ausgrenzung heute beginnt.
Auschwitz ist kein Ort, den man einfach besucht. Es ist ein Ort, der bleibt.
Mahya Gholami & Zeynep Arican
